Ich über mich

 
Dr. Gerhard Schmatz ist im Frühjahr 2005 im Alter von 75 Jahren gestorben.Diese autobiografische Internetseite soll auch in Zukunft als Andenken an sein Leben erhalten bleiben.

Wer sich nur durch die homepage www.schmatz-online.com geklickt hat, könnte annehmen, ich sei entweder jemand, der zu jenen Privilegierten gehört, die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden sind, oder ich hätte mich als Berufsabenteurer vom finanziellen Segen irgendwelcher Sponsoren durchs Leben tragen lassen. Beides ist grundfalsch. Deshalb die folgenden Zeilen zur Darstellung der Realitäten.

Bei Ende des zweiten Weltkrieges war ich noch keine 16 Jahre alt. Mein Vater war ursprünglich Lehrer, meine Mutter Hausfrau. Schon kurz vor Kriegsbeginn ist mein Vater, der sich in meiner Kindheit liebevoll um mich gekümmert hat, zur Wehrmacht eingezogen worden. Bereits 1943 ist unsere Wohnung in Nürnberg im Bombenhagel zerstört worden. Meine Mutter und ich zogen zu ihrer verwitweten Schwester, die ebenfalls einen Sohn hatte, nach Bayreuth in deren winzige Wohnung. Wenige Monate nach Ende des Kriegs ist mein Vater im Alter von 48 Jahren in jugoslawischer Gefangenschaft an Unterernährung jämmerlich zugrundegegangen.

Da es nach Kriegsende über ein Jahr keinen Schulbetrieb gab, musste ich der allgemeinen Arbeitspflicht nachkommen, sonst hätte es die zum Überleben notwendigen Lebensmittelrationen nicht gegeben. Um in den Genuss der 10 %igen Gefahrenzulage zu kommen, habe ich im sogenannten Katastrophendienst als Ruinenbeseitiger und Dachdecker im schwer bombengeschädigten Bayreuth gearbeitet. Stundenlohn 0,75 RM bei einem Zigarettenpreis von 5,-- RM pro Stück.

Meine Mutter bekam wegen der wenigen Dienstjahre meines Vaters nur eine sehr kleine Pension, die zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel war. Trotzdem bestand sie darauf, dass ich Abitur mache und ein Studium absolviere. Um dies finanziell leisten zu können, hat sie jahrelang als Heimarbeiterin nächtelang mühsam ein Zubrot verdient. Ich meinerseits habe, um die chronische Geldknappheit etwas zu mildern, schon als Schüler durch Schwarzmarktaktivitäten und mit sonstigen Nebentätigkeiten versucht, unser knappes Budget etwas aufzubessern.

Letztlich habe ich 1949 Abitur gemacht und im gleichen Jahr in Erlangen mit dem Jurastudium begonnen. Dies war nur möglich, weil die in Nürnberg lebende Zwillingsschwester meiner Mutter und deren Ehemann sich bereit erklärt hatten, mir jeweils während des Semesters unentgeltlich Kost und Logis zu gewähren und ich in den Ferien allen möglichen Jobs nachgegangen bin.

Da ich die Juristerei mit dem gleichen Ehrgeiz betrieben habe wie später das Bergsteigen, sind mir zwei sehr gute Staatsexamina gelungen. Dies war Voraussetzung dafür, in den bayerischen Notardienst übernommen zu werden. Erst jetzt war sowohl zeitlich als auch finanziell der Zeitpunkt gekommen, über Hobbys nachzudenken. Deshalb habe ich erst im Alter von fast 30 Jahren als reichlich Spätberufener mit dem Bergsteigen begonnen.

Von 1962 bis 1994 habe ich in Neu-Ulm zusammen mit einem Partner eine große und gut florierende Notarkanzlei betrieben. Da ich mich auch in meinem Beruf und für unser gemeinsames Büro sehr engagiert habe, konnte ich die Einkünfte erzielen, mit denen mein exzessives Hobby zu finanzieren war. Als ich 1994 auf eigenen Wunsch vor Erreichen der Altersgrenze pensioniert wurde, bin ich in den Gemeinderat der Stadt Ulm gewählt worden. Als Stadtrat der FWG-Rathausfraktion, bin ich seit fast 10 Jahren im Ehrenamt tätig. Auch als Vorsitzender eines etwa 1.500 Mitglieder zählenden Sportvereins habe ich mich in dieser Zeit 6 Jahre lang um dessen Belange ehrenamtlich gekümmert.


Januar 2003